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Der Heilige Geist
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Der Heilige Geist
Der weibliche Aspekt der Gottheit

tiepolo40203Derzeit wird viel über "Frauenfragen" gesprochen, insbesondere im sozialen und politischen Bereich. Ein solches Bewusstsein über geschlechtsspezifische Themen, wie wir es heute kennen, war auch der frühen Kirche und den Autoren der antiken religiösen Texte nicht ganz unbekannt. Wie wir in diesem Artikel von Dr. Hurtak sehen werden, spielte die Idee des Weiblichen im Gedanken- und Glaubenssystem der intertestamentaren Autoren eine äußerst wichtige Rolle. Weit entfernt von ihrer üblichen Darstellung als überhebliche Advokaten eines Patriarchentums, zeigen uns jüngste Funde eine ganz eigene Sensibilität und Wertschätzung für den weiblichen Aspekt der Gottheit, die man bisher nicht für möglich gehalten hatte. Aus diesem Grund bildet der folgende Artikel einen sinnvollen und interessanten Beitrag zur aktuellen Diskussion über die Rolle der Frau in unserer heutigen Zeit. Wieder einmal stellen wir fest, wie eine reiche und tiefgründige Vergangenheit unsere Zukunft mitgestaltet, und das noch während sie sich vor unseren Augen entfaltet.

Eine neue Antwort auf das "Bildnis" des Heiligen Geistes nimmt in Gelehrtenkreisen in der ganzen Welt Gestalt an – ein Ergebnis neuer Erkenntnisse aus den Schriftrollen vom Toten Meer, den koptischen Nag Hammadi-Schriften und den intertestamentarischen Texten der jüdischen Mystiker, die neben Büchern der frühen christlichen Kirche gefunden wurden. Forscher fangen an, den Heiligen Geist als das "weibliche Vehikel" für das Ausgießen einer höheren Lehre und spirituellen Wiedergeburt zu begreifen. Der Heilige Geist hat viele Rollen in der jüdisch-christlichen Tradition: sie handelt in der Schöpfung, vermittelt Weisheit und inspiriert die Propheten des Alten Testaments. Im Neuen Testament ist sie die Gegenwart Gottes in der Welt und eine Kraft bei der Geburt und im Leben Jesu.

Der Heilige Geist wurde fester Bestandteil einer Zirkuminzession, ein Partner in der Dreifaltigkeit mit dem Vater und dem Sohn, nachdem die Doktrinstreitigkeiten des späten 4. Jahrhunderts die Position der westlichen Kirche stärkten. Obwohl alle christlichen Kirchen die Einheit der drei Personen in einer Gottheit akzeptieren, unterstützet die Ostkirche, insbesondere die griechischen, äthiopischen, armenischen und russischen Gemeinden, keine feste Einheit der Persönlichkeiten, sondern sieht ihre Gestalten als eindeutig unterscheidbar aber dennoch in einer Einheit. Außerdem positioniert die Ostkirche den Heiligen Geist als Zweite Person in der Dreifaltigkeit, mit Christus als der Dritten, während die westliche Kirche den Sohn vor den Heiligen Geist stellt.

Im Alten Testament und in den Schriftrollen vom Toten Meer war der Heilige Geist bekannt als Ruach oder der Ruach Ha Kodesh (Psalm 51:11) und im Neuen Testament als Pneuma (Römer 8:9). In der Mehrheit wurde Ruach oder Pneuma als die spirituelle Kraft oder Gegenwart Gottes angesehen. Das Wirken dieser Kraft kann in der christlichen Kirche in Form der "Gaben des Geistes" gesehen werden (insbesondere im Zungenreden heutiger Pfingstgemeinden). Der Heilige Geist galt auch als Quelle göttlicher Führung und als der innewohnende Tröster.

Auf ähnliche Weise wurde Ruach Ha Kodesh im hebräischen Gedankengut als eine Stimme angesehen, die von der Höhe kommt und zum Propheten spricht. Daher ist sie in der Sprache der Propheten des Alten Testaments der göttliche Geist der innewohnenden Heiligkeit und Schöpferkraft und wird als eine weibliche Macht betrachtet. In der Theologie hat man das Pronomen "er" mit Bezug auf den Geist eingeführt, um es mit dem Pronomen für Gott übereinzustimmen, jedoch ist das hebräische Wort Ruach ein weibliches Substantiv. Daher hat die Bezugnahme auf den Heiligen Geist als "sie" linguistische Berechtigung. Den Geist als ein weibliches Prinzip zu bezeichnen, als das schöpferische Prinzip des Lebens, macht Sinn, wenn man den Aspekt der Dreifaltigkeit bedenkt, in welcher der Vater plus der Geist zur göttlichen Extension der Sohnschaft führt.

Der Geist wird nicht "es" genannt, obwohl Pneuma im Griechischen ein sächliches Wort ist. Die Kirchenlehre betrachtet den Heiligen Geist als Person, nicht als eine Kraft wie etwa den Magnetismus. Die Schriften der katholischen Väter bewahren sogar eine Sicht des Geistes, der das "Volk Christi" als Braut oder als "Mutter Kirche" versinnbildlicht. Beide sind weibliche Aspekte des Göttlichen. In der östlichen Kirche wurde dem Geist immer eine weibliche Natur zugeschrieben. Sie war die Lebens -Trägerin des Glaubens. Clemens von Alexandrien nennt "sie" eine im Innern wohnende Braut. Unter den Gemeinden der Ostkirche ist es der Korpus der koptischen Gnostiker, der am eindeutigsten den weiblichen Aspekt des Heiligen Geistes vertritt. Eines ihrer Dokumente berichtet, wie Jesus sagt: "Sogleich ergriff mich meine Mutter, der Heilige Geist, an einem meiner Haare und trug mich auf den großen Berg Tabor [in Galiläa]."

Die Taten des Thomas, eine Schriftrolle des mystischen koptischen Christentums aus dem 3. Jahrhundert , enthält einen anschaulichen Bericht über die Reisen des Apostels Thomas nach Indien und enthält Gebete, die den Heiligen Geist unter anderem als "die Mutter der ganzen Schöpfung" und als die "mitfühlende Mutter" titulieren. Die tiefgründigsten unter den koptisch-christlichen Schriften verknüpfen den durch Christus offenbarten "Geist des Geistes" und dem "Geist der göttlichen Mutter". Von besonderer Bedeutung sind die neuen Handschriftenfunde der letzten Jahrzehnte, die aufzeigen, dass unter den frühen Christen mehr als bisher angenommen der Heilige Geist als die Mutter Jesu betrachtet wurde.

Ein solcher Text ist das Thomasevangelium, welches Bestandteil der neu entdeckten Nag Hammadi -Schriften bildet (entdeckt zwischen 1945-1947). Die meisten dieser Schriften wurden etwa zur gleichen Zeit wie die biblischen Evangelien, im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus, geschrieben. In diesem Evangelium fordert Jesus seine Jünger dazu auf, ihre irdischen Eltern zu hassen (wie in Lukas 14:26), aber den Vater und die Mutter so zu lieben, wie er es tut: "Denn meine Mutter (gab mir Falschheit), aber meine wahre Mutter gab mir das Leben." In einer anderen Nag Hammadi-Entdeckung, Das Apokryphon des Jakobus, nennt sich Jesus selbst den "Sohn des Heiligen Geistes". Diese beiden Aussprüche identifizieren zwar nicht explizit den Heiligen Geist als Muttervehikel Jesu, doch wurden sie von mehr als einem Gelehrten so interpretiert, dass damit der Heilige Geist als Mutter gemeint sei.

Bislang sind in der westlichen traditionellen Theologie jene Stimmen, die einen weiblichen Heiligen Geist vertreten, vereinzelt und zart geblieben. Für manche ist es jedoch eine theologisch vertretbare Sichtweise, die zudem psychologischen, soziologischen und wissenschaftlichen Vorteil bringt, wenn eine "neue Supernatur" erkennbar wird, die sich in großen Bewusstseinsveränderungen der menschlichen Evolution zeigt.

Der deutsche Theologe Jürgen Moltmann, ein bekannter protestantischer Denker, sagte einmal: "Monotheismus ist Monarchismus." Seiner Ansicht nach liefert die traditionelle Auffassung von der absoluten Macht Gottes im Allgemeinen eine Rechtfertigung für irdische Gewaltherrschaft — von den Kaisern und Despoten der Geschichte bis zu den Diktatoren des 20. Jahrhunderts. Moltmann tritt für eine neue Wertung der "Personen" der Trinität und der Gemeinschaft oder des Modells der Familie ein, das sie für unsere menschliche Beziehungen darstellt.

Nach Professor Neil Q. Hamilton von der Drew University zeigt uns das Evangelium nach Johannes, wie "der Heilige Geist eine Mutterrolle für uns einzunehmen beginnt, die sich in bedingungsloser Akzeptanz, Liebe und Fürsorge" zeigt. Gott beginnt uns damit in einem Vater- und einem Mutter -Modus zu erziehen.

Der katholische Gelehrte Franz Mayr, Philosophieprofessor an der Universität Portland, favorisiert ebenfalls eine Anerkennung des Heiligen Geistes als weibliche Realität. Er ist der Meinung, dass die traditionelle Einheit Gottes nicht verwässert wird, wenn die Gelehrten die weibliche Seite Gottes anerkennen. Mayr, der bei dem bekannten deutschen Theologen Karl Rahner studierte, sagt, dass er zu dieser Einsicht während seines Studiums der Schriften des Hl. Augustinus (354-430 n.Chr.) kam. Der einflussreiche Kirchenvater Nordafrikas hatte festgestellt, dass eine signifikante Zahl früher Christen an einen weiblichen Aspekt des Heiligen Geistes geglaubt haben muss, und begann diese Ansichten zu geißeln. Für Augustinus war die Anerkennung des Heiligen Geistes als "Mutter des Gottessohns und Gefährtin des Vaters" eine heidnische Auffassung. Mayr jedoch vertrat die Ansicht, dass Augustinus "den sozialen und mütterlichen Aspekt Gottes übergangen" habe, der nach Mayr am besten im Heiligen Geist, dem göttlichen Ruach Ha Kodesh zu sehen sei. Der Hl. Hieronymus, ein Zeitgenosse Augustinus', sowie zwei Kirchenväter einer früheren Periode, nämlich Clemens von Alexandrien und Origenes, zitierten aus dem pseudepigraphen Evangelium der Hebräer, worin der Heilige Geist als eine "Muttergestalt" beschrieben wird.

Ein Fresko aus dem 14. Jahrhundert in einer kleinen katholischen Kirche südöstlich von München zeigt nach Ansicht von Leonard Swidler von der Temple University einen weiblichen Geist als Teil der Heiligen Trinität. Die Frau und zwei bärtige Figuren an ihrer Seite scheinen in einen einzigen Mantel gehüllt und an der unteren Hälfte zusammengefügt zu sein, was die Vereinigung des alten und neuen Körpers der Geburt und Wiedergeburt andeutet.

trinity-lowresWir leben in einer Zeit der profunden und revolutionären Entdeckung archäologischer und antiker spiritueller Texte, die einen Weg in die Zukunft weisen. Von Christus selbst wird gesagt, dass er weibliche Jüngerinnen hatte, wie es die gnostische Literatur und jüngste archäologische Funde frühchristlicher Gräber in Italien zeigen. Ein Anfang wurde gesetzt, den Geist des Ruach unter den Bergen neu entdeckter vorchristlicher Schriften und koptisch-ägyptischer Buchrollen der frühen Kirche wieder zu erwecken. Mit dieser Neubewertung der ersten 100 Jahre Christentum wird deutlich, dass die frühere Christenheit dem "weiblichen Geist" des Alten Testaments, dem Ruach oder der geliebten Shekinah, noch viel näher stand. Die Shekinah, die nicht das Gleiche ist wie der Ruach, wurde als die innewohnende göttliche Gegenwart verstanden, die eine "Geburt der Gaben" oder das gesalbte Selbst aktivierte. In der Folge änderte das aufstrebende Christentum seine ursprüngliche Position über die "Geburt der Gaben" im Kompromiss für das Privileg seiner Institutionalisierung.

Die neue Richtung in den spirituellen und wissenschaftlichen Studien zeigt, dass es nun möglich ist, den Heiligen Geist, Ruach Ha Kodesh, als die weibliche, innere Gegenwart Gottes, Shekinah, zu zeichnen, die die Seelen für das Reich Gottes nährt und hervorbringt. Die geistigen Erkenntnisse aus dem Buch des Wissens: Die Schlüssel des Enoch® machen uns begreiflich, dass gerade so wie das Alte Testament das Zeitalter des Vaters war, das Neue Testament das Zeitalter des Sohnes ist, eben so das kommende Zeitalter, in dem die Gaben ausgegossen werden, das Zeitalter des Heiligen Geistes sein wird. Doch die Schlüssel sagen uns auch, dass die Göttliche Dreifaltigkeit jenseits der anthropomorphen Formen von Männlich oder Weiblich ist. Hier ist unsere eigene männliche oder weibliche Natur nur Symbol für das Göttliche und eine Manifestation unseres Lebens im Universum. Und darin verstehen wir, wer wir wirklich sind, da wir, ob Mann oder Frau, uns vorbereiten auf die Wiedergeburt des "Christus-Überselbst", vereint als Volk des Lichts, als die "Braut" für ihren "Bräutigam" – den Christus.

© 1993 J.J. Hurtak, PhD

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28/01/08